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ARZT UND CO.
 

Um auf die schwierigen Arbeitsbedingungen junger Ärzte (siehe unten) in Berliner Krankenhäusern hinzuweisen, organisierte der Arbeitskreis „Junge Ärzte“ der Ärztekammer Berlin eine Protestaktion der besonderen Art. Am Samstag, dem 27. April 2002, streiften Berlins junge Krankenhausärzte den weißen Kittel über und begaben sich mit Wischeimern und Scheibenputzern in die Friedrichstraße.

Zur Lage junger Ärzte in Berlins Krankenhäusern:

* Wenn Ärzte ihr Studium hinter sich haben, müssen sie eine 18-monatige AiP-Phase (Arzt im Praktikum) absolvieren, bevor sie eine Vollapprobation bekommen. In dieser Ausbildungsphase werden sie in den Krankenhäusern mehr und mehr als billige Arbeitskräfte zur Füllung von Personallücken missbraucht. Eigentlich sind AiP’ler zur Ausbildung auf den Stationen. Sie sollen lernen, indem sie ihren erfahrenen Kollegen über die Schulter schauen und unter fachkundiger Anleitung dann selbst am Patienten tätig werden. Die Praxis sieht anders aus. In den Krankenhäusern wird Personal gespart und die jungen Ärzte „ins kalte Wasser“ geworfen, wo immer eine Lücke entsteht.

* Für ein Gehalt von 1.219, 27 Eur brutto (im 1. Jahr) und 2.528,75 DM brutto (im 2. Jahr) - davon bleiben netto etwa 1.500 DM übrig - schuften die Nachwuchsmediziner genauso lange und schwer wie ihre voll approbierten Kollegen. 10-Stunden-Dienste sind absolute Normalität. Von den gemachten Überstunden werden nach neueren Untersuchungen nur etwa 30 % bezahlt. So kommt es, dass bei den Ärzten bundesweit Überstunden im Wert von etwa 2 Milliarden Mark für einen warmen Händedruck geleitstet werden.

* Wenn die Jungen Ärzte etwas erfahrener sind, werden sie auch zu den Bereitschaftsdiensten herangezogen. Dann „schmeißen“ sie schon einmal allein die Station. Ein Bereitschaftsdienst dauert 16 Stunden. Hierfür bekommen die Ärzte im ersten Jahr 190 DM (für 16 Stunden pauschal) und im zweiten Jahr 220 DM. Mit 5 bis 6 Bereitschaftsdiensten schaffen es die jungen Ärzte, ihr Gehalt ein wenig aufzubessern. Was übrig bleibt, reicht trotzdem gerade mal zum Leben.

* Es kann vereinzelt vorkommen, dass sowohl vor als auch nach dem Bereitschaftsdienst ein voller Arbeitstag liegt. Das bedeutet, dass für junge Ärzte unter o.g. finanziellen Bedingungen vereinzelt 32-Stunden-Dienste am Stück anfallen. Dies verstößt eklatant gegen das Arbeitszeitgesetz, doch die Aufsichtsbehörden (in Berlin das „Landesamt für Gesundheit und Technische Sicherheit“, LaGetSi) sind unterbesetzt und sehen deshalb weg. Und die jungen Ärzte mucken nicht auf, weil sie hoffen, durch Wohlverhalten eine Anschlussstelle ergattern zu können. Denn die Stellen zur Facharztweiterbildung, die sich ans AiP anschließt, sind dünn gesäht. Die Abhängigkeit, die die üblichen kurzen Zeitverträge in der AiP- und Assistenzarztzeit schaffen, öffnen einem Missbrauch der Arbeitskraft Tür und Tor.

* Dass junge, unerfahrene Ärzte unter diesen Bedingungen arbeiten und zum Teil volle Verantwortung übernehmen müssen, ist für die Patientensicherheit ein ernstes Problem. „Haben Sie schon mal einem Kind nach 32 Stunden Dienst Blut abgenommen? Da sehen sie nicht mal mehr das Kind“ räumte neulich ein junger Berliner Arzt gegenüber der Ärztekammer freimütig ein. Scheibenwischen kann da schnell eine interessante berufliche Alternative sein.



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